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Optische Speichermedien: Erstaunlich anfällig

Der Großteil aller privaten Sicherungen, Back-ups oder Archivierungen wird heute auf CDs oder DVDs abgelegt ? und geht von dort aus überraschend schnell seinen Weg ins Daten-Nirvana.

Der Großteil aller privaten Sicherungen, Back-ups oder Archivierungen wird heute auf CDs oder DVDs abgelegt – und geht von dort aus überraschend schnell seinen Weg ins Daten-Nirvana. Denn kaum ein anderes Speichermedium bietet weniger Beständigkeit und Sicherheit. Die meisten Untersuchungen über die Lebenserwartung von CDs oder DVDs bescheinigen den Silberscheiben bei idealer Lagerung zwar 80 bis 100 Jahre Beständigkeit.

Doch leider sind beinahe alle Studien von Rohlings-Herstellern initiiert – und demnach nicht zwingend als objektiv zu bewerten. Einer unabhängigen Untersuchung des NIST (National Institute of Standards & Technology, Gaithersburg/USA) zufolge kann eine DVD-R bis zu 30 Jahre halten, allerdings nur bei optimaler Lagerung. Und das bedeutet: 25 Grad Celsius, keine Temperaturschwankungen, kein Lichteinfall, gleichmäßig 50 Prozent Luftfeuchtigkeit. Solche Idealbedingungen herrschen aber in häuslicher Umgebung praktisch nie. Nach Meinung von Experten – und zahlreichen leidvollen persönlichen Erfahrungen – lassen sich selbst gebrannte CDs oder DVDs bei normaler Behandlung oft schon nach wenigen Jahren nicht mehr auslesen.

Kratzer, Kleber, Korrosion

Schäden an den Silberscheiben können auf unterschiedlichste Weise entstehen. Die simpelste, aber auch häufigste Ursache: Die CD oder DVD wird durch unüberlegtes Ablegen auf einer Tischplatte so stark verkratzt, dass die gespeicherten Daten für den Lesekopf im Laufwerk einfach nicht mehr erkennbar sind. Lenken schon Kratzer auf der Unterseite der Scheibe den lesenden Laserstrahl ab, so sind Verletzungen auf der Oberseite (auf der sich die Beschriftung oder das Label befindet) noch viel gravierender – speziell bei CDs. Bereits feine Kratzer können die Reflexionsschicht zerstören, an der sich der Laser spiegelt. Solche Beschädigungen entstehen häufig beim Beschriften des Rohlings: durch den Einsatz eines ungeeigneten Stiftes wie Kugelschreiber oder Bleistift, dessen Spitze die Reflexionsschicht zerkratzt. Sehr viel besser eignen sich spezielle CD-Marker mit weicher Spitze, die die Oberfläche des Rohlings nicht angreifen.

Noch gefährlicher als Stifte sind Klebe-Etiketten: Besonders bei billigen Produkten reagieren die Lösungsmittel im Kleber mit der Polycarbonat-Oberfläche des Rohlings. Das kann dazu führen, dass Feuchtigkeit in die Polycarbonat-Schicht eindringt und die silberne Reflexionsschicht korrodiert. Lösungsmittel wurden früher sogar bei den Labels von gepressten CD-ROMs eingesetzt: Gerade die ersten CDs aus den frühen 80er-Jahren wurden mit Labels bedruckt, in denen sich aggressive Chemikalien befinden. Mit diesem Problem kämpft derzeit besonders das in Berlin beheimatete Musikarchiv der Deutschen Nationalbibliothek: Trotz perfekter Lagerungsbedingungen lassen sich von knapp 400 000 CDs (Stand: Februar 2007) bereits heute mehrere Hundert Tonträger der ersten Stunde nicht mehr auslesen – eine Verschlimmerung der Situation wird befürchtet.



Quelle: http://www.focus.de/digital/computer/chip-exklusiv/tid-7048/backup-strategien_aid_69017.html

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